Die Beteiligten des Projektes „Weg aus dem Trauma“ zogen nach zwei Jahren ein positives Fazit: (von links) Susanne Kreienbrock und Nils-Ole Hohmann (beide Gesundheitsamt) sowie Christina Nölling-Moeck und Julian Schwan (beide Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen). Die Puppe hilft den Therapeuten bei deren Arbeit mit Kindern. Foto: Dübbel

Erfolgreiche zwei Jahre auf dem „Weg aus dem Trauma“

Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen bietet in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Familien Hilfe an

Seit zwei Jahren können sich Eltern, deren Kinder traumatische Situationen erlebt haben, an die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Leer wenden. Träger dieses besonderen Angebotes ist der Landkreis Leer im Rahmen der „Gesundheitsregionen Niedersachsen“. Alle Beteiligten zogen jetzt ein positives Fazit.

„Weg aus dem Trauma“ ist das Projekt überschrieben, das noch ein weiteres Jahr läuft. Finanziert wird es zum größten Teil über das Modell „Gesundheitsregionen Niedersachsen“. Derzeit werde daran gearbeitet, wie die Arbeit nach den drei Jahren fortgesetzt werden könne, sagten Susanne Kreienbrock und Nils-Ole Hohmann, die im Gesundheitsamt des Landkreises Koordinatoren des Angebotes sind. Die gute Zusammenarbeit mit ihnen hoben für die Beratungsstelle Traumatherapeutin Christina Nölling-Moeck und Psychologe Julian Schwan hervor.

Bisher haben 49 Familien das Beratungsangebot angenommen. Wie das in der Praxis aussehen kann, erläuterte die Therapeutin mit einem Beispiel: Über ein Jahr nach der Notfallsituation sitzen die Eltern von Amelie (Name und Umstände verändert) das erste Mal in der Beratungsstelle. Die miterlebte Atemnot, den Zusammenbruch des Vaters und die Reanimation durch den Notarzt hatte die damals Achtjährige miterlebt. Die Eltern sehen sie seitdem trauriger und ängstlicher. „Wie können wir ihr helfen?“, fragen sie sich.

Meistens brauche es eine längere Zeit, bis Eltern sich meldeten, sagte Christina Nölling-Moeck. Erst wenn nach einem traumatischen Erlebnis für die Außenwelt alles wieder seinen gewohnten Gang gehe, das Leid der Kinder und vielleicht auch das der Eltern aber weiterhin präsent sei, erfolge der Anruf. Es sei gut, dass es diesen niederschwelligen Zugang gebe und dass Familien nicht lange auf einen Termin warten müssten, lobte Susanne Kreienbrock. Die Beratungsstelle ist unter 0491-9604881 erreichbar.

In der ersten Beratungsstunde gehe es vor allem darum, das individuelle Anliegen der Eltern herauszuarbeiten, erklärten die Mitarbeiter. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass sich die Mehrzahl der Eltern Hilfestellung dabei erhoffe, wie sie ihrem Kind helfen könnten. Gezeigt habe sich auch, dass nicht nur die Kinder, sondern ebenfalls die Eltern traumatisiert seien. „Ich sah das Entsetzen im Gesicht meines Kindes und konnte ihm in dem Moment überhaupt nicht helfen“, so habe es die Mutter im Beispiel formuliert. Solche realen oder manchmal auch phantasierten Bilder liefen vor dem inneren Auge der Eltern immer wieder ab und hätten eine eigene traumatische Qualität.

Je nach Anliegen, Lebenssituation und Ausmaß des traumatischen Erlebnisses wird das weitere Vorgehen gemeinsam mit den Eltern besprochen. „Häufig reicht es aus, wenn allein die Eltern die Beratung in Anspruch nehmen“, können die Therapeuten nach den zwei Jahren sagen. Durch die wiedererlangte Sicherheit beruhige sich auch das gesamte Familiensystem. Manchmal sei eine traumatische Erfahrung so folgenreich gewesen, dass nach einer ersten Stabilisierung in der Beratungsstelle der Übergang in weitere Hilfesysteme vorbereitet wurde.

Alle Beteiligten machten deutlich, dass mit dem Projekt eine Lücke zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen besetzt und damit Arbeit in einem Bereich möglich werde, für den es sonst keine Angebote gebe. Und auf das Beispiel von Amelie bezogen sagte Christina Nölling-Moeck: „Das Mädchen und seine Eltern haben einen Weg in die Gegenwart, weg von den traumatischen Erlebnissen gefunden. Oder wie Amelie es formuliert: ,Ich brauch’ jetzt nicht mehr kommen. Ich möchte lieber wieder mit meinen Freundinnen spielen.’“

Gesprächskreis für Alleinerziehende im Lutherhaus Leer

Unter dem Titel „Stärkung im Alltag durch Unterstützung" findet im Lutherhaus in Leer, Patersgang 4, seit Sonnabend, 26. Januar, ein Gesprächskreis für alleinerziehende Mütter und Väter entstehen. Bei den monatlichen Treffen wird jeweils zwischen 9.30 Uhr und 11 Uhr der Erfahrungsaustausch der Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Vordergrund stehen.

Die verantwortungsvolle Aufgabe, ein Kind oder Kinder alleine großzuziehen, bedeute eine besondere Herausforderung. Dies verdiene Wertschätzung, heißt es in einer Mitteilung der Lutherkirchengemeinde Leer. Aus diesem Grund lade sie alle alleinerziehenden Personen sonnabendsmorgens zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Kosten entstehen keine.

Der Gesprächskreis findet ab dem 26. Januar und zu folgenden Terminen statt: 23. Februar, 23. März,  20. April und 4. Mai.  Anmeldungen bei Thekla Behrends werden erbeten unter gemeindehelferin@lutherkirche.de oder 0491/79499720.

Klassik-Preisträger in der Lutherkirche zu Gast

Das Ensemble „4 Times Baroque“ ist am 23. Februar in der Lutherkirche Leer zu hören. Die jungen Musiker wurden im Oktober 2018 mit dem Gewinn des Opus Klassik, dem Nachfolger des Echo Klassik, belohnt. Foto: privat

Konzert mit dem Ensemble „4 Times Baroque“ am 23. Februar / Junge Musiker kommen aus Frankfurt 

„Caught in Italian virtuosity“ – so lautet das Motto, unter dem das junge Ensemble „4 Times Baroque“ am Sonnabend, 23. Februar, in der Leeraner Lutherkirche auftritt. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. „Es ist die oft schwindelerregende Virtuosität, die sowohl Spieler als auch Hörer italienischer Musik des 17./18. Jahrhunderts völlig gefangen nimmt“, heißt es in einer Mitteilung des Veranstalters. Diese Virtuosität begegne den Zuhörern etwa in Werken wie der „Ciaconna“ von Tarquinio Merula oder in einer der wohl bekanntesten Kompositionen über einen gleichbleibenden Bass, der berühmten "Follia" von Arcangelo Corelli. Als weitere virtuose Meisterwerke des italienischen Hochbarocks werden Vivaldis berühmtes Concerto „La Notte“, die Ouvertüre zu Händels Oper „Rinaldo“, Sammartinis Sonate in F-Dur und als ausgesprochene Entdeckung die Triosonate in d-Moll von Pierre Prowo, der aus einer Altonaer Musikerfamilie stammte und ab 1736 als Organist der reformierten Kirche in Hamburg-Altona nachweisbar sei, genannt. “4 Times Baroque“ wurde 2013 von den vier jungen Musikern Jan Nigges (Blockflöte), Jonas Zschenderlein (Violine), Karl Simko (Violoncello) und Alexander von Heißen  (Cembalo) gegründet. Das in Frankfurt am Main ansässige Quartett gehört zu den aufstrebenden Ensembles der jungen Generation und wurde schon zu bedeutenden Musikfestivals in Deutschland und Europa eingeladen. Für ihre frische, freche, energiegeladene und dabei doch werkgetreue Interpretation wurden die vier jungen Musiker im Oktober 2018 mit dem Gewinn des Opus Klassik, dem Nachfolge-Preis des Echo Klassik, belohnt.

Die Barockmusik und Historische Interpretationspraxis haben maßgeblich den musikalischen Werdegang der Musiker bestimmt. Sie lernten sich schon in frühen Jugendjahren kennen, wodurch sowohl eine freundschaftliche als auch professionelle Verbindung entstand, die den einmaligen Zusammenhalt der vier Musiker auszeichnet. Ein wichtiges Bestreben des Quartetts ist der nahe Kontakt zum Publikum. Dies spiegelt sich in der äußerst lebendigen, auf Zusammenspiel perfektionierten Spielweise wider. Hinzu kommt eine kurzweilige Moderation, welche den Zuhörern einen wesentlichen Einblick in die gespielten Werke und das Schaffen der Musiker gibt.

Der Eintritt in das Konzert kostet im Vorverkauf 20 Euro, an der Abendkasse 25 Euro. Der Vorverkauf beginnt am 30. Januar bei Bücher Borde, Multi-Nord und im „Tatort Taraxacum“.

 

„Suppenküche“ freut sich über Spende der Evangelischen Allianz

Kollekte des Festgottesdienstes zum Abschluss der Allianzgebetswoche wurde auf 1000 Euro aufgerundet

Dankbarkeit auf vielen Seiten war herauszuhören, als jetzt der Arbeitskreis Evangelische Allianz Leer eine Spende in Höhe von 1000 Euro an das Team der „Suppenküche“ der evangelisch-lutherischen Christuskirchengemeinde Leer überreichte. Die Kollekte des Festgottesdienstes zum Abschluss der Allianzgebetswoche hatte 868,01 Euro ergeben und war aufgerundet worden.

Im Rahmen der Wochenveranstaltungen vom 13. bis 18. Januar waren außerdem Kollekten für die Arbeit der Evangelischen Allianz – sowohl für die örtliche Arbeit als auch für den Dachverband – erbeten worden. Mit einer Spende in Höhe von 500 Euro wird der Dachverband mit Sitz in Bad Blankenburg bedacht.

Heike Albers als Vorsitzende der Evangelischen Allianz Leer und  deren Kassenführer Jan Meinders blickten beim Treffen im Katharina-von-Bora-Haus auf eine gute Resonanz bei der Gebetswoche. Diese stand unter dem Motto „Einheit leben lernen“. „Das überkonfessionelle Miteinander hat sehr beeindruckt“, sagte Heike Albers. Sie sei froh darüber, dass sich bei den sieben Veranstaltungen so viele Menschen eingebracht hätten. Sechs Konfessionen seien beteiligt gewesen. Bei der Evangelischen Allianz handele es sich um ein Netzwerk von Christen aus verschiedenen Gemeinden. Alle Interessierten seien darin willkommen.

Die „Suppenküche“ befinde sich zwar in Trägerschaft der lutherischen Christuskirche, werde mittlerweile aber auch von vielen Menschen anderer Konfessionen unterstützt. Das betonten für deren Organisationsteam Else Bierbrauer und Gisela Busemann. Gemeinsam mit ihnen sprach Pastorin Silvia Köhler einen herzlichen Dank an alle Spender aus.

Die Suppenküche feierte am 1. Dezember ihr 20-jähriges Bestehen. Dazu gehörte auch ein Festessen für ihre Gäste. Jeden Sonntag von 11.30 Uhr bis 13 Uhr teilen ehrenamtliche Helfer im Katharina-von-Bora-Haus, dem Gemeindehaus der Christuskirche, Bedürftigen eine warme Mahlzeit aus. Ein Essen und Geschenke verbunden mit einer Andacht gibt es immer Heiligabend. Aber auch Ostern wolle man in besonderer Form gestalten und sei schon mit den Vorbereitungen beschäftigt, erzählten die Frauen vom Orga-Team. Sie seien dankbar für viele berührende Begegnungen mit den Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stünden. Und sie freuten sich über alle Unterstützer, bei denen Nächstenliebe einen großen Stellenwert einnehme.

Fast vergessenes Kulturgut rückt ins Bewusstsein

Heimatmuseum Leer zeigt Bibelfliesen-Ausstellung  / Eröffnung war in der Lutherkirche

Im Heimatmuseum Leer drängten sich am ersten Adventssonntag die Besucher. Dort wird bis zum 25. Februar die Sonderausstellung „Bibelgeschichten in Mangan und Blau“ der Projektgruppe Kulturgut Bibelfliesen gezeigt. Zu sehen sind 96 historische Bibelfliesen. Hingucker sind auch Bilder und großflächige Poster mit Bibelfliesen-Motiven.

Die offizielle Ausstellungseröffnung fand zuvor in der Lutherkirche statt. Dort begrüßte Pastor Christoph Herbold die Besucher und hielt eine kurze Andacht. Es sei wunderbar, dass die Ausstellung hierher gekommen sei – mitten in die Altstadt, in der kirchliche Vielfalt und gutes Miteinander bestünden, sagte Bürgermeisterin Beatrix Kuhl in ihrem Grußwort. Dank sprach allen Beteiligten Hilke Boomgaarden, Vorsitzende des Heimatvereins Leer aus.

Das Heimatmuseum habe gern Platz für die jetzt 102. Präsentation der Wanderausstellung eingeräumt, betonte dessen Leiter Burghardt Sonnenburg. In ganz Deutschland seien die Bibelfliesen schon zu sehen gewesen, vor einigen Jahren auch in der Leeraner Buchhandlung Plenter.

„Wir sind gerne wiedergekommen“, sagte Kurt Perrey. Der Pastor im Ruhestand hatte vor 15 Jahren in Norden mit der Arbeit an dem Projekt begonnen. Er hob die Bedeutung des Niederländers Jan Pluis als Experte für volkskundliche Fliesen hervor: Ohne dessen Ratschläge hätte er sich nicht an das Projekt herangewagt. Als Perrey nach Emsdetten umzog, entstand dort der Arbeitskreis Bibelfliesen Münsterland, der nun gemeinsam mit dem Norder Bibelfliesenteam das Projekt betreut. „Ein fast vergessenes Kulturgut soll mit den Fliesen ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden“, erklärte der Theologe.

Im Heimatmuseum führten Kurt Perrey und Burghardt Sonnenburg Besucher durch die Ausstellung und gingen auf Fragen ein. Ein Bereich ist dem Thema Advent und Weihnachten gewidmet. Aktuelle Themen wie Flucht und Vertreibung kommen ebenfalls vor.

Auch zum Schmunzeln gab es manches für die Zuhörer. So erzählte Perrey von 300 Jahre alten Bibelfliesen, die er in einer Gaststätte in Emsdetten unter einem Plakat entdeckte. Jetzt säßen die Gäste besonders gern in der Nähe der Fliesenwand. Gezeigt werde dort auch die Fliesenbibel.  Diese befindet sich ebenfalls auf den Büchertischen im Heimatmuseum. Sie könne weiterhin erworben werden, sagte der „Bibelfliesenpastor“ auf Nachfrage. Gut kamen bei den Besuchern auch gereimte Kurztexte zu Bibelfliesen-Bildern an.

In gemütlicher Atmosphäre bei Tee und Gebäck tauschten sich die Gäste über das Gesehene aus. „Man muss unbedingt noch einmal herkommen“, war von einigen angesichts der vielen Eindrücke zu hören.

Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar 2019 zu sehen. Öffnungszeiten sind bis Ende 2018 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis17 Uhr. Vom neuen Jahr an kann die Ausstellung dienstags bis freitags besichtigt werden, sonnabends, sonntags und montags ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich.