Rund 700 Besucher kamen zum Waldgottesdienst auf Gut Stikelkamp, der diesmal mit dem Kreisposaunenfest verbunden war. Manche schützten sich mit Regenschirmen vor der Sonne. Foto: Dübbel

Glauben ist wie Küssen: Es geht nicht allein

45. Waldgottesdienst auf Gut Stikelkamp war mit Kreisposaunenfest verbunden / Bläser aus den Kirchenkreisen Emden-Leer, Rhauderfehn und Aurich dabei

Stimmungsvoll in doppelter Hinsicht war am Sonntag der 45. Waldgottesdienst vor der Kulisse des Gutes Stikelkamp in Neukamperfehn: Er wurde verbunden mit dem Kreisposaunenfest gefeiert. Bläser aus den Kirchenkreisen Emden-Leer, Rhauderfehn und Aurich spielten unter der Leitung von Landesposaunenwart Hayo Bunger. Als Predigerin war Marianne Gorka, Landespastorin für die Posaunenchorarbeit, aus Hildesheim gekommen.
Zwölf evangelisch-lutherische Gemeinden aus den Kirchenkreisen Emden-Leer und Aurich laden jeweils zum Waldgottesdienst ein. Während dieser in den vergangenen Jahren wegen schlechten Wetters manches Mal in die Kirche verlegt werden musste, strahlte diesmal die Sonne. Viele der rund 700 Besucher suchten sich einen Platz  im Schatten. Christoph Schoon, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn, führte durch den Gottesdienst. Er dankte allen Beteiligten, darunter besonders den Ehrenamtlichen für den Auf- und Abbau der Sitzbänke.
Marianne Gorka ging in ihrer Predigt auf den Bibelabschnitt aus  dem Lukasevangelium (14, 16-24) ein. Darin sagen Männer aus fadenscheinigen Gründen eine Einladung zum Essen ab. Aber Gemeinschaft sei wichtig. „Glaube ist etwas, das geht nicht allein“, sagte die Pastorin. Manche Menschen meinten, sie bräuchten die Kirche nicht und es reiche ihnen, wenn sie etwa im Wald Gott nahe seien. Aber mit dem Glauben sei es wie mit dem Küssen: „Dazu brauchst du einen anderen Mund“. Christen seien auf Gemeinschaft angelegt. „Auch die Bläser klingen erst gemeinsam richtig rund und schön“, erklärte Gorka.

Die Bläser auf Gut Stikelkamp begleiteten die Gemeindelieder und umrahmten den Gottesdienst mit verschiedenen Stücken, so zum Abschluss mit dem Hymnus Antverpiae. Die Mitwirkenden kamen aus den Posaunenchören Collinghorst-Ihrhove, Detern, Emden (Johannesgemeinde), Hatshausen, Hesel, Holtland, Jherings-/Boekzetelerfehn-Neermoorpolder, Leer, Mittegroßefehn, Neermoor, Nortmoor, Ockenhausen, Stiekelkamperfehn, Timmel, Völlen und Warsingsfehn.

Blumensträuße als Dank überreichte Pastor Schoon an Marianne Gorka, Hayo Bunger und an Bernhard Lay, Leiter des Posaunenchores Stiekelkamperfehn, für dessen besondere Unterstützung. Mit Beifall bedankten sich die Besucher bei allen Mitwirkenden des Gottesdienstes.

Die Kollekte in Höhe von 984,99 Euro geht an den Verein „Brass for Peace“, der in der Region Bethlehem Posaunenchöre aufbaut. Dessen Arbeit stellte Volker Janssen aus Hannover vor. Der in Aurich aufgewachsene Gymnasiallehrer reist in den Ferien nach Palästina, um zum Beispiel Unterrichtseinheiten der Volontäre zu besprechen. Näheres ist der Internetseite www.brass-for-peace.de zu entnehmen.

Jetzt eine „Integrations-Werkstatt“ im Café International

Einrichtung des Kirchenkreises stellt verschiedene Angebote für Flüchtlinge vor / Begegnung mit Einheimischen ist gewünscht

Seit viereinhalb Jahren ist das Café International in Leer, das sich in Trägerschaft des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden-Leer befindet, eine Anlaufstelle für Flüchtlinge: „Mit steigender Tendenz“, betonten Leiterin Engeline Kramer und Mitarbeiterin Joyce Simmerling in einem Gespräch. Auf veränderte Umstände beim Bedarf nach Rat und Hilfe gehe die Einrichtung zusätzlich zu bestehenden mit neuen Angeboten ein. So werde jetzt eine Integrations-Werkstatt eingerichtet.

Nach der sogenannten „Flüchtlingswelle“ 2015 hätten sich die meisten Geflüchteten sehr um Integration bemüht, Sprachkurse besucht und teilweise auch Arbeit gefunden. Problem sei aber, dass ihnen Kontakte zu Deutschen fehlten, erläuterte Kramer als Hintergrund. Damit gelinge es ihnen und auch anderen Ausländern nicht, sich richtig zu integrieren. „Selbst Menschen mit guten Deutschkenntnissen wissen oft nicht, was kann oder darf man tun? Was sind ,No-Gos‘ in Deutschland?“, so die Leiterin des Café International.

Deshalb gebe es nun in der Integrations-Werkstatt durch Gespräche in kleinen Kreisen die Möglichkeit, mehr zu erfahren. Eltern können sich zum Beispiel über Erziehung und Bildung in Kindergärten und Schulen informieren. Was ist beim Mieten einer Wohnung zu beachten? Wie verhält man sich in der Nachbarschaft? Was ist höflich, was nicht? Gesundheitsversorgung, Sprach- und andere Kurse, Sport, Vereinsleben, Auto, Ratenzahlungen, Telefonverträge und Versicherungen – die Liste der Themen ist lang.

Die Gespräche finden immer freitags statt und gelten zunächst als offenes Angebot für Zugewanderte, die sich deutsch verständigen können. Sie sollen auch Möglichkeiten der Vernetzung oder der weiteren Integration bieten. „Teilnehmer können danach sehr gut als Mittler auftreten und sich gegenseitig helfen“, betonte Engeline Kramer.

Sommercamp

Jedes Jahr im Juli bietet das Café International ein Sommercamp an. Das gebe es auch jetzt, sagte Joyce Simmerling. Die Angebote reichen von Radtouren über Fußballspielen, Spaziergänge und Ausflüge bis zu handwerklichen und kreativen Tätigkeiten. Auf die Wünsche Interessierter wird eingegangen.

Ferienschule

In den letzten zwei Wochen vor Wiederbeginn der Schule bietet das Café International eine Ferienschule an. Sie soll Kindern den Wiedereinstieg in den Lehrstoff erleichtern.

Arabisch-Unterricht
Für Grundschul-Kinder gibt es seit dem vergangenen Herbst im Café International Arabisch-Unterricht. Manche sprächen zu Hause zwar Arabisch, hätten es aber nicht lesen und schreiben gelernt, sagte Engeline Kramer. Das wäre jedoch durchaus wichtig, weil ja nicht auszuschließen sei, dass syrische Familien wieder in ihr Heimatland zurückkehrten.

Bundesfreiwilligendienst
Für die Zeit ab Mitte August sucht die Einrichtung noch eine Kraft, die sich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes engagieren möchte.
 

Öffnungszeiten:

Geöffnet ist das Café International von montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr. Es befindet sich an der Ecke Mühlenstraße/Kupenwarf. Die Verantwortlichen würden sich freuen, wenn mehr Einheimische kämen und die Begegnung mit den Flüchtlingen suchten.