borkum

Evang.-lutherischer Kirchenkreis Emden-Leer

Kirche mitten im Leben

Losung Donnerstag, 12. Dezember 2019

Gib acht auf deine Füße, wenn du zum Hause Gottes gehst. Und tritt hinzu, um zu hören.

Prediger 4,17

Zum heutigen Kalenderblatt

Weitere Beiträge auch unter AKTUELLES

Erfolgreiches Projekt zum Weg aus dem Trauma endet

Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen bot in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Familien Hilfe an

Nach drei Jahren endet jetzt das Projekt „Traumaberatung für Eltern, Kinder und Familien“. Die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Leer hatte es angeboten und zog im Rahmen einer Abschlussveranstaltung ein positives Fazit. Träger des Angebotes war der Landkreis Leer im Rahmen der „Gesundheitsregionen Niedersachsen“.

„Unser Wunsch war, diese Traumaberatung in die Arbeit unserer Beratungsstelle zu integrieren. Das ist gelungen“, sagte als deren Leiterin Dr. Ute Schulewski. Sie hatte im Maritimen Kompetenzzentrum (MARIKO) in Leer rund 100 Fachkräfte aus dem psychosozialen, medizinischen und pädagogischen Bereich begrüßt.

Einen Überblick über die Arbeit in den vergangenen drei Jahren vermittelte Traumatherapeutin Christina Nölling-Moeck. Mit dem Projekt sei eine Verzahnung zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen erreicht und damit Arbeit in einem Bereich möglich geworden, für den es sonst keine Angebote gegeben habe. Dank gelte dem Landkreis. Diesen vertraten Susanne Kreienbrock und Nils-Ole Hohmann, die im Gesundheitsamt Koordinatoren des Angebotes waren.

Gewalt in der Familie, Trennungen der Eltern oder der Kinder von den Eltern und der Tod naher Angehöriger waren einige Beispiele für traumatische Erlebnisse von Kindern. 77 Familien seien beraten worden, sagte Christina Nölling-Moeck. Zu zwei Dritteln habe man nur durch Begleitung der Eltern und ohne die Anwesenheit der Kinder helfen können. Wichtig sei der Beratungsstelle eine Vernetzung mit anderen Einrichtungen. So seien einige Familien in eine jugendpsychotherapeutische Behandlung vermittelt oder ihnen andere Empfehlungen gegeben worden.

Bei einem Drittel der Eltern, so die Traumatherapeutin, habe sich gezeigt, dass diese keine Kraft mehr gehabt hätten und eine schnelle Terminvergabe notwendig gewesen sei. Innerhalb einer Woche hätten sie kommen können. Da das Projekt nicht verlängert worden sei, falle in der Beratungsstelle die halbe Stelle dafür weg. Mit den gemachten Erfahrungen könne nun weitergearbeitet werden, aber in der Terminvergabe sei man weniger flexibel, sagte Nölling-Moeck.

In einem weiteren Vortrag ging die Referentin auf Entwicklungstraumata ein. Manche Eltern seien in ihrer Kindheit selbst traumatisiert worden. Erlebt oder mit angesehen hätten sie physische, sexuelle und psychische Gewalt sowie Vernachlässigung. Positiv vermerkte die Therapeutin, dass entscheidende Veränderungen möglich wurden: „Einer Mutter, die ihr Kind nicht in den Arm nehmen konnte, gelang das.“

Ein lebhafter Austausch der Veranstaltungsteilnehmer war bei Gruppenarbeiten zu beobachten. Bei den Rückmeldungen wurde deutlich gemacht, wie wichtig es sei, Traumata rechtzeitig zu erkennen, Hilfen zu finden und sich in Netzwerken zu verständigen

Verwaltungskostenumlagen für Friedhöfe intensiv erörtert

Kirchenkreistag des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden-Leer tagte im Gemeindezentrum der Martin-Luther-Kirche Emden

Einen Eindruck davon, wie viel Arbeit in den unterschiedlichen Gremien und in der Verwaltung geleistet wird, bevor Entscheidungen getroffen werden können, vermittelte die jüngste Sitzung des evangelisch-lutherischen Kirchenkreistages (KKT) Emden-Leer. Vorsitzender Hans-Hermann Woltmann hatte im Gemeindezentrum der Martin-Luther-Kirche Emden 58 Mitglieder begrüßt.

Ein Thema, das intensiv diskutiert wurde, war eine Anpassung von Verwaltungskostenumlagen des Kirchenkreises für Friedhöfe. Martina Welling als Vorsitzende des Finanzausschusses gab Informationen dazu. Lange habe das Gremium sich damit befasst und sich bemüht, alle Interessen zu berücksichtigen. Nach bisheriger Regelung zahlten Gemeinden für größere  Friedhöfe im Grunde unproportional viel, für kleinere Friedhöfe unproportional  wenig für die Kosten der Verwaltung. Bei zwölf Enthaltungen stimmten die KKT-Mitglieder letztlich einem System zu, das in vier Stufen Grenzwerte für Bemessungsgrundlagen enthält. Das solle – so wurde der Kompromissvorschlag von Pastor Armin Siegmund (Bingum) angenommen – in drei Jahren überprüft und notfalls nachgesteuert werden.

In der vergangenen Sitzung hatte Superintendentin Christa Olearius einen Zukunftsprozess im Kirchenkreis angeregt. Dieter Emler, KKT-Vorsitzender des Kirchenkreises Aurich, hatte über den dortigen Zukunftsprozess berichtet. Nun sei der KKT aufgerufen, sich für diesen Prozess zu entscheiden und der Steuerungsgruppe das Mandat zu erteilen, sagte Olearius. Die Mitglieder votierten einstimmig dafür. Voraussetzung sei, dass es nicht nur um Strukturen gehe und Inhaltliches nicht zu kurz komme, wurde betont. Wichtig sei die Frage „Welche Kirche wollen wir in einer sich verändernden Gesellschaft sein?“, sagte Pastor Sven Grundmann (Holtland).

Die Superintendentin berichtete auch aus der Arbeit des Kirchenkreisvorstandes. So sei mittlerweile die in der vorigen KKT-Sitzung beschlossene und von der Landeskirche durch Sonderzuweisungen bis 2023 finanzierte halbe Springer-Pfarrstelle durch Pastorin Reina van Dieken und durch Pastorin Hedwig Friebe mit je 25-Prozent-Stellenanteil besetzt worden. Friebe bleibe mit ihrer bisherigen halben Unterstützungs-Stelle dem Emder Bereich zugeordnet.

Erste Informationen gab Christa Olearius zur Weiterführung des Café International in Leer. Als Ort der Begegnung und vor allem der Begleitung und Unterstützung für Flüchtlinge werde es noch immer stark frequentiert. Nachgedacht werde darüber, wie es mit dieser Arbeit, die von vielen Ehrenamtlichen ermöglicht werde, weitergehe. Der Mietvertrag für die Räume laufe 2022 aus, könne aber verlängert werden. Der Kirchenkreisvorstand habe den Finanzausschuss um Sondierung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten gebeten. Im nächsten Jahr, so die Superintendentin, sollten die KKT-Mitglieder in die Überlegungen einbezogen werden. Sie werde diese dann als Kirchenkreissynodale ansprechen: Denn mit der neuen Verfassung der Landeskirche gebe es auch neue Sprachregelungen. So werde der Kirchenkreistag dann als Kirchenkreissynode bezeichnet. 

Eine Erfolgsgeschichte in der Orgelbaukunst

Hendrik Ahrend hat vor 14 Jahren die Werkstatt seines Vaters Jürgen Ahrend übernommen / Jetzt 65-jähriges Bestehen gefeiert / Neues Instrument für die Hochschule für Kirchenmusik Tübingen vorgestellt

Die Würdigung jahrzehntelanger Orgelbaukunst durch renommierte Fachleute, die Vorstellung eines neuen Instrumentes und musikalische Darbietungen auf hohem Niveau: Das alles prägte die Feier zum 65-jährigen Bestehen der Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend in Leer-Loga. Hendrik Ahrend, der vor 14 Jahren den Betrieb von seinem Vater übernahm, hatte die zahlreichen Gäste begrüßt.

In großer Runde gefeiert wurde erstmals wieder seit dem Jubiläum vor 25 Jahren. Und wie damals erschien rechtzeitig zu dem besonderes Ereignis eine Festschrift: Dr. Markus Zimmermann hat sie verfasst und ging in seinem Grußwort darauf ein. „Über 218 Arbeiten höchster Qualität in 65 Jahren. Was zwei Generationen Ahrend auf die Beine gestellt haben, ist eine Erfolgsgeschichte ganz nach oben“, bilanzierte Zimmermann.

1954 gründeten die jungen Orgelbaumeister Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema die Orgelbauwerkstatt in der Großstraße in Leer. Brunzema wanderte 1971 nach Kanada aus. Der heutige Gebäudekomplex am Mühlenweg in Loga entstand 1958. Bedeutende Orgeln sind für Auftraggeber in vielen Ländern weltweit gebaut worden. Die Ahrend-Werkstatt machte kurz nach ihrer Gründung damit auf sich aufmerksam, sich gegen bestimmte moderne Strömungen in der Orgelbauszene zu stellen. Diese Richtung gilt für Hendrik Ahrend nach wie vor. Von zentraler Wichtigkeit sei die Pfeifenherstellung, sagte er.

Der mittlerweile 89-jährige Dr. h. c. Jürgen Ahrend freute sich – unter anderem darüber, „dass ich noch da bin“. Er könne im Wissen, dass hier weiterhin hervorragende Arbeit geleistet werde, ruhig schlafen. Ein besonderes Lob, das auch andere Redner aussprachen, galt der Intonationskunst seines Sohnes: „Er ist noch besser als ich“, sagte der Senior.

Hendrik Ahrend dankte den derzeit zehn Mitarbeitern und früheren Beschäftigen, die ebenfalls gekommen waren. Sie machten exzellente Qualität möglich. Den Dank gab im Namen seiner Kollegen Werkstattmeister Markus Collmann zurück. Er lobte die gute Atmosphäre in der Firma. Von einem „meisterhaften Team“ sprach die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) in ihrem Grußwort.

Vor Augen hatten die Gäste bei den Ansprachen die neue Orgel für die Hochschule für Kirchenmusik Tübingen, mit der diese ihre Ausbildungsqualität optimieren möchte. Das besondere Instrument ist mit zwei verschiedenen Stimmsystemen und 17 Registern ausgestattet. Pfarrer  Christoph Morath, amtlicher Orgelsachverständiger und Dozent an der Hochschule für Musik Würzburg, und Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke (Weener) ließen diese Orgel erklingen und erhielten vom begeisterten Publikum viel Beifall für ihre brillanten Darbietungen.

Einen besonderen Hörgenuss boten Hendrik und Andrea Ahrend ihren Gästen außerdem mit Caterina Lichtenberg und Mike Marshall, die virtuos ein kleines Mandolinen-Konzert präsentierten.

Die Geschichte der Orgelwerkstatt Ahrend beleuchteten mit sehr persönlichen Eindrücken Orgel-Experten und Wegbegleiter von Jürgen und Hendrik Ahrend. Peter Golon, ehemaliger Geschäftsführer der Orgelakademie Stade, Reinhard Ruge aus Norden, lange Zeit Orgelrevisor für den Sprengel Ostfriesland, und Harald Vogel, Professor an der Hochschule für Künste in Bremen, gehörten dazu. Die „nachhaltige Konstruktion“ sei ein besonderes Prinzip in Loga, sagte Vogel. Er zog einen Vergleich mit dem berühmten Orgelbauer Arp Schnitger: Drei Generationen hätten in der Familie die Instrumente gebaut. „Ich gehe von einer weitgehenden Parallele aus“, erklärte der Professor schmunzelnd. Paul Ahrend, Sohn von Hendrik und Andrea, hat gerade seine Ausbildung zum Orgelbauer bei Kristian Wegscheider in Dresden begonnen.