borkum

Evang.-lutherischer Kirchenkreis Emden-Leer

Kirche mitten im Leben

Losung Mittwoch, 20. Februar 2019

Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Psalm 143,6

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Rund 100 Teilnehmer kamen zum Frühjahrstreffen der Männer-AG des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems im Gemeindehaus der Christuskirche Leer zusammen. Foto: Dübbel

„Was immer du tust, tue es gut und bedenke das Ende“

Johann Saathoff sprach vor Männergruppenleitern über Gerechtigkeit in der Politik

Im Gemeindehaus der Leeraner Christusgemeinde hat Johann Saathoff (SPD) auf dem Frühjahrstreffen der Männer-AG des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems einen tiefen Einblick in seine Arbeit als Mitglied des Bundestages gegeben. Gespannt verfolgten die rund 100 Zuhörenden seinen informativen wie persönlichen Vortrag. Der Pewsumer bezog sich auf das Jahresthema der Evangelischen Männerarbeit „Gott liebt Gerechtigkeit (Psalm 33,5) – wofür es sich zu kämpfen lohnt.“

Der rote Faden in Saathoffs Ausführungen war die Frage, wie sich Gerechtigkeit als hoher moralischer Anspruch im Tagesgeschäft der Politik umsetzen lässt. „Ganz ehrlich, ich stoße oft an Grenzen. Aber wer meint, er habe ein Patentrezept für die gerechte Gesellschaft, ist entweder naiv oder ein Ideologe.“ Er halte sich an das Motto, das auf einer Tafel an der Manningaburg in Pewsum steht: „Was immer du tust, das tue gut. Und bedenke das Ende!“ Saathoff buchstabierte dieses Motto an den vielen Themen entlang, die ihm als Mitglied in den Bundestagsausschüssen für Landwirtschaft sowie Wirtschaft und Energie begegnen.

Gerechtigkeit für die Landwirtschaft bedeute zum Beispiel, sich für die Entwicklung des ländlichen Raumes einzusetzen, betonte der Redner. Es gebe viele Interessenvertreter für urbane, also städtische Räume, obwohl 65 Prozent der Bevölkerung in Deutschland auf dem Land leben. „Und in Ostfriesland sind es noch mehr.“ Er verstehe sich deshalb als Lobbyist für lebenswerte ländliche Räume. Dazu gehöre die Verbesserung der Infrastruktur wie Verkehrswege und Internet. Die Stärkung der Wertschöpfung in der Region sei ein wichtiges Ziel. „Warum produzieren wir in Ostfriesland Milch und Fleisch, die Veredelung findet aber woanders statt?“ Gefragt seien Ideen für ostfriesische Milch- und Fleischprodukte.

In der Diskussion zu diesem Thema ging es sogleich um die Frage, wie sich bäuerliche und mittelständische Produktion gegen industrielle Vermarktung durchsetzen könne. Es gebe immer mehr regionale Anbieter, sagte Saathoff. „Wir als Verbraucher müssen uns fragen, ob uns kurze Vertriebswege und regionale Produkte auch was wert sind.“ Nur billig käme uns auf Dauer teuer zu stehen.

Um langfristige, globale Auswirkungen und was der Gerechtigkeit diene, ging es auch bei allen anderen Beispielen der politischen Tätigkeit Saathoffs, wie Fangquoten in der Fischerei – „Was bedeuten europäische Abkommen für die Fischer in Mauretanien?“ – , Energie- und Umweltpolitik  –  „Der Ausstieg aus der fossilen Energiewirtschaft hat etwas mit Generationengerechtigkeit zu tun. Wir leben bisher auf Kosten unserer Kinder und Enkel.“

Fazit von Johann Saathoff: „Gerechtigkeit kostet Geld.“ Der Weg zu mehr Gerechtigkeit komme an einer gerechten Vermögensverteilung und größerer Steuergerechtigkeit nicht vorbei.

Der Landespastor für Männerarbeit aus Hannover, Henning Busse, und der Sprecher des Leitungsteams im Sprengel Ostfriesland-Ems, Folkert Seeba, dankten Saathoff unter langanhaltendem Applaus für seine Ausführungen. Der Männerkreis der Christusgemeinde hatte gemeinsam mit Jugendlichen und der Sozialarbeiterin Anne Janssen für die Verköstigung der Anwesenden und den Rahmen der Veranstaltung gesorgt.

Ein Kissen als Bild für wichtige Auszeiten vor Augen

Gottesdienst für Lehrkräfte in der Friedenskirche Loga / Schul- und Bildungsausschuss des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden-Leer hatte eingeladen

„Frei-Stunde“ war der Gottesdienst für Lehrkräfte in der Friedenskirche Leer-Loga überschrieben. Er solle eine stärkende Auszeit zum Beginn der zweiten Hälfte des Schuljahres sein, sagte Ina Schulz. Die Schulpastorin an den BBS I Emden und Beauftragte für Kirche und Schule im Sprengel Ostfriesland-Ems begrüßte die rund 40 Teilnehmer.

Vorbereitet worden war der Gottesdienst von Mitgliedern des Schul- und Bildungsausschuss des evangelisch-lutherischen Kirchenkreistages Emden-Leer. Dazu gehörten auch Deike Ockenga und Patrick Pagendarm (beide Lehrkräfte an der IGS Emden) sowie Benjamin Jäckel (Schulpastor an der IGS Moormerland). In einem Anspiel machten sie auf das Thema aufmerksam. Begleitet von gelegentlichem Stöhnen, zwischenzeitlichem Auf-die-Uhr-Schauen und Kaffeetrinken sowie einigen Telefongesprächen korrigieren sie Klassenarbeiten. Sie sind sichtlich gestresst. Nur Patrick setzt sich entspannt ans Klavier. „Was hast du denn?“, fragen die anderen: „Freistunde!“, antwortet er.

An die Freude über Freistunden in ihrer Schulzeit erinnerte in ihrer Predigt Superintendentin Christa Olearius. Ein Meister darin, sich Auszeiten zu nehmen, sei Jesus gewesen. Das zeige sich auch in der Geschichte im Markus-Evangelium, in der er auf See den Sturm stillt. „Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief“, heißt es darin. Übrigens sei das die einzige Stelle im Neuen Testament, in der das Wort „Kissen“ erwähnt werde, sagte Christa Olearius schmunzelnd. Wie wäre es, wenn alles auf einen einstürme, darauf zu vertrauen, nicht allein zu sein und Jesus mit einem Kissen vor Augen zu haben?“, fragte die Superintendentin. Dieses Bild würde sie gerne mitnehmen und weitergeben – passend zur „Zeit der Freiräume“, zu der die Landeskirche in diesem Jahr aufrufe.

Die Besucher des Gottesdienstes dankten zum Schluss dem Vorbereitungskreis mit Beifall. Der galt im Besonderen auch Patrick Pagendarm für dessen musikalische Begleitung am Klavier. Bei einem anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum Gespräch miteinander.

 

An totgeschwiegene Schicksale erinnert

Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus / Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Leer machte auf Opfergruppe der Homosexuellen aufmerksam

Die Opfergruppe der Homosexuellen stand diesmal im Mittelpunkt des ökumenischen Gottesdienstes in der katholischen Kirche St. Michael in Leer. Dazu hatte am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wieder die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Leer (ACKL) eingeladen. „Fehlende Geschichten...“ war der Abend überschrieben.

Frank Wieligmann begrüßte im Namen der ACK die etwa 100 Besucher. Schicksale von Menschen aus der hiesigen Region würden sonst in den Gedenkgottesdiensten geschildert. Diesmal sei die Suche danach erfolglos geblieben und ein Beispiel für das Thema „Fehlende Geschichten“.

In einem Dialog mit Fragen und Informationen stellte die Vorbereitungsgruppe der ACK das Ergebnis ihrer Recherchen vor. Sprecher waren Pastorin i. R. Christine Kimmich, Wolfgang Kellner, Frank Wieligmann und Pastor Martin Stührenberg. Die Nationalsozialisten hätten den Paragraphen 175, der schon auf Gesetze aus dem 19. Jahrhundert zurückging, zum 1.September 1935 verschärft. „Praktisch alle Formen von homosexueller Liebe konnten von da an bestraft werden“, sagte Kellner, lediglich für Jugendliche habe es Ausnahmen gegeben.

Ende 1940 hätten sich 13.000 Menschen in Vorbeugungshaft befunden, erläuterte Wieligmann. Eine Untersuchung habe ergeben, dass zwischen 5000 und 15.000 Menschen als Homosexuelle in Konzentrationslagern inhaftiert waren. Deren physische und psychische Widerstandskraft zu brechen sei das Ziel gewesen. Überdurchschnittlich häufig seien sie auch Opfer von medizinischen Versuchen geworden. Ihr niedriger Status in der Häftlingshierarchie habe zudem zu einer gesteigerten Todeswahrscheinlichkeit beigetragen.

„Nach dem Krieg sahen sich die Überlebenden zwar befreit, aber weiterhin geächtet“, berichtete Kellner. Eine Entschädigung sei ihnen verweigert worden, da Homosexualität bis 1973 ein Straftatbestand war. Viele Verfolgte hätten geschwiegen – auch weil sie Verurteilung und Ablehnung befürchteten. 1969 wurde der Paragraph 175 entschärft, 1994 ganz aufgehoben. Erst 2017 wurde den Opfern eine Rehabilitierung ermöglicht. „Alles in allem ist es erschütternd zu sehen, wie lange es gedauert hat, bis Homosexualität als eine Variante menschlicher Existenz und Liebe anerkannt und in der Gesellschaft angekommen ist“, schloss die Gruppe ihren Vortrag.

Pastorin Susanne Eggert, Krankenhausseelsorgerin am Borromäus-Hospital Leer, vertiefte in ihrer Predigt das zuvor Gehörte. Auch in der Bibel fehlten die Geschichten zu diesem Thema. Es gebe einige wenige Texte. In denen gehe es aber um homosexuelle Handlungen und nicht um gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die auf Gemeinschaft angelegt seien. Mittlerweile seien die Stimmen Verfolgter leider zum großen Teil verstummt: „Heute könnten wir sie hören“, sagte Susanne Eggert.

Den musikalischen Rahmen des Gottesdienstes gestalteten Julia Wolbers (Querflöte) und Organist Michael Busch. Die Kollekte kommt der Organisation Amnesty International zugute, deren Gruppe Leer im Gottesdienst vertreten war. Mit dem Geld sollen Menschen unterstützt werden, die auch heute noch in Europa wegen ihrer Homosexualität Repressalien ausgesetzt sind.