Verkündigung

Predigt zur Einführung von Alke Eden am 28.06.2014 - von Burghard Klemenz, Superintendent

Liebe Frau Eden, liebe Festgemeinde

Pädagogische Geschäftsführerin des Ev.-luth. Kindertagestättenverbandes Emden – Leer!
Was für ein blöder Titel. Wenn man sich damit vorstellt, gehen die ersten schon hungrig raus, sich ein Brötchen holen, bevor man zu Ende gesprochen hat. Ich weiß, dass Sie sich diese Bezeichnung nicht selbst ausgedacht haben. Der Titel ist da entstanden, wo verstiegen denkende Menschen immer wieder etwas weltfremde Ideen und Bezeichnungen hervorbringen – wie zum Beispiel : Landessuperintendent oder Konventualstudiendirektor…. also in der Kirche.
Ja, so sind wir - immer ein bisschen anders, ein bisschen verstiegen und zwei Handbreit neben dem Mainstream. Wir erfinden das Rad täglich neu, wir wollen nicht von anderen lernen, sondern unsere eigenen Erfahrungen machen, wir sind trotzig und neigen zu Eifersucht und Streit und auch dazu, über unserem Tun die Zeit zu vergessen. Wir erzählen dauernd Geschichten und haben Fantasien, wir spielen Spiele und lieben den Lärm- zumindest sonntags, wenn fast alle schlafen, dann lassen wir die Glocken los. Wir sind oft wie Kinder in unseren Gremien und Pastorenkonferenzen, in unseren Beratungen und Vorständen. Ja, wir sind sogar stolz darauf, in der Kirche so ein wenig neben der Spur zu sein - und daher Ihnen ein herzliches: Willkommen im Club!
Jesus hat einmal gesagt: „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Reich Gottes gelangen.“ Mk 10,15
Eine von Gottes Willen und Wirken her veränderte Welt, in der die Schöpfung aufatmet, die Waffen schweigen und Gerechtigkeit siegt über Gier und Gewalt – für eine solche Welt braucht es natürlich in Wahrheit noch ganz andere Menschen, als wir es sind, braucht es mutige, zum Träumen bereite Menschen. Menschen, die sich nicht schämen, aus dem Mainstream herauszutreten und zu sagen: Moment mal- Wo geht die Reise eigentlich hin? Wo treibt diese Gesellschaft hin mit ihrer Ökonomisierung aller Lebensbereiche? Wer schützt unsere Kinder vor der Verkümmerung im digitalen Schwarm, der die Fähigkeit zu einfühlsamer Kommunikation fortreißt, Mitleid und Empathie fortspült und alles zur Ware macht, die Freizeit, die Erholung, die Sexualität, die Musik, das Wasser, den Sonnenuntergang…
Kinder Gottes. Ich erinnere mich, dass meine Mutter, als ich zwischen 15 und 17 Jahren alt war, häufig mit mir schimpfte und sagte, ich sei ein Kindskopf. Sie erwartete von mir erwachsen zu sein, vernünftig.
Die Vernunft sitzt im Kopf. Je mehr ich zur Vernunft komme, desto mehr steige ich hoch in den Kopf und betrachte die Welt von oben, nüchtern, abwägend.
Etwas weiter unten ist das Herz, das ist die Stelle, wo die Liebe entbrennt, und die im Unglück schmerzt.
Noch weiter unten der Bauch, genauer der Magen, in dem Millionen von vegetativen Nerven enden.
Das ist der Seismograph, der jedes leise Beben verzeichnet, der krampft, wenn Gefahr lauert, der mulmig rollt, wenn er Komplikationen wittert, der alarmiert ist, wenn er die Strahlung böser Absichten empfängt. Der Bauch, der Ort des Gefühls. Noch weiter unten der Ort des Begehrens, ganz wichtig, weil da oft Folgenschweres für unser Leben geschieht- aber heute nicht so sehr unser Thema.
Noch weiter unten- die Füße, nicht unwichtig, denn ähnlich wie die Hände geben sie uns Informationen über die Oberflächen der Dinge und in ihnen lagert ein großer Reichtum, das sogenannte Fersengeld, das wir geben, wenn es brenzlig wird.
Warum diese kleine Anatomiestunde? Es geht um das Kindsein. Wenn wir in unseren Kopf aufsteigen, zu unserem Verstand, schauen wir von oben auf die Dinge herab, sind wir bei unserem Herzen, können wir lieben, verehren, mitleiden, sehnen und seufzen.
Sind wir nahe an unserem Bauch, dann können wir spüren, feinste Schwingungen aufnehmen.
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, sagt Jesus nicht, weil er uns schrumpfen möchte, sondern weil er im Gegenteil uns zurückholen will aus der Verkopfung, weg vom kühlen Urteil, hin zu Herz und Bauch, Hand und Fuß, zum Fühlen, Lieben und Begehren und Denken. Bei Kindern ist der Kopf nicht abgekoppelt vom ganzen Menschen und der Kopf hat noch Platz für Träume, Fantasien, wilde Theorien und unvernünftige Wünsche.
Von Erzieherinnen und Erziehern unserer Kindertagsstätten erwarten wir, dass sie in der Lage sind in zweifacher Weise, die Perspektive des Kindes einzunehmen. Sie müssen sich in ein Kind hineinversetzen können, um zu verstehen, wie es denkt und fühlt und sie sollten bereit sein , immer wieder Kind zu werden in der Perspektive von Gottes kommendem Reich, für das wir die Stärken der Kinder brauchen: Träume, Fantasien, wilde Theorien und unvernünftige Wünsche.
Die Arbeit in unseren evangelischen Kindertagestätten begründet sich in der Achtung vor der Geschöpflichkeit jedes Menschen. „ Wer ein Kind sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt“, heißt es. Das Geschenk des Lebens begegnet uns in jedem Menschen, ganz besonders in der schutzlosen Form als Kind. Das Kind will unsere Liebe, die es schützt, fördert und partnerschaftlich begleitet.

Wir wollen Kindern ohne Vorbehalte begegnen und sie als ein offenes Universum betrachten, das sich nach allen Seiten entwickeln kann. Seine emotionalen, kognitiven und motorischen Entwicklungsziele wollen wir fördern und es in seiner Sozialisation so unterstützen, dass es mit anderen ein befriedigendes und gelingendes Leben führen kann. Wir sind verpflichtet, seine leibliche und seelische Gesundheit zu schützen, besonders auch vor den ausbeuterischen Perspektiven der Erwachsenen. Und wir nehmen es mit in den Horizont der großen Erzählungen unseres christlichen Glaubens. Unsere Einrichtungen sind nicht nur für Kinder christlicher Familien da, wir nehmen mit gleicher Achtung und Liebe auch Kinder aus Familien anderen Glaubens und anderer Kultur auf und bieten ihnen die gleiche Zuwendung.
Die Erzählungen der Bibel und des Glaubens vieler Generationen geben uns ein Koordinatensystem für unser eigenes Handeln als Christen, die wir vielleicht noch nicht sind, aber werden wollen.. Wir können in den christlichen Erzählungen unseren eigenen Ort als Mensch finden zwischen Himmel und Erde. Wir finden Sinn wenn wir entdecken, dass wir von der Geburt bis zum Tod gehalten sind, dass wir eine Aufgabe haben im Großen und Ganzen: Nämlich Gott zu lieben und den Nächsten wie uns selbst. Wir finden Trost darin, dass Christus uns mit seinem Geist erfüllt und damit unser eigenes kleines Leben weitet auf ein großes Ziel hin.
Werden wie die Kinder, damit wir in das Reich Gottes gelangen. So einfach sagt es Jesus.
Und was hat da eine Pädagogische Geschäftsführerin des Ev.-luth. Kindertagestättenverbandes
Emden – Leer zu tun?
Eigentlich sind sie so eine Art Sauerstoffgerät für den Organismus unserer Kitas.
Sie sollen neuen Wind bringen in die Teams, sollen frisches Blut zuführen in Gestalt gut qualifizierter Erzieherinnen. Sie sollen die Müden wiederbeleben und die Hyperaktiven dämpfen. Sie sollen den Überblick behalten und Know how vermitteln. Sie halten Kontakt zu kirchlichen und staatlichen Stellen, auch zu den Kommunen. Sie orientieren sich im Mitarbeiterrecht und in den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kindertagesstätten. Und natürlich sollen sie nicht nur vom Kopf her agieren, sondern auch mit Herz und Hand und Magen und Leidenschaft – nur Fersengeld sollen sie so bald nicht geben.
Ach sie haben so viel zu tun Frau Eden! Wie schaffen sie das eigentlich alles? Dann noch das Qualitätsmanagement und das Troubleshooting und das Konfliktmanagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin, Frau Winterboer und mit dem Vorstand des Verbandes und mit den Kirchenvorständen….
Für so einen Job braucht man echt einen langen Titel, damit die anderen eine Ahnung bekommen von den Ausmaßen Ihrer Aufgabe: Pädagogische Geschäftsführerin des Ev.-luth. Kindertagestättenverbandes Emden – Leer.
Sie machen das schon eine ganze Weile und sie machen es, nach Aussage vieler Kenner der Materie, ausgesprochen gut. Ich darf sie jetzt nicht zu sehr loben, sonst fordern sie mehr Gehalt, aber ich darf wohl sagen, dass es leicht gefallen ist, die zunächst befristete Stelle in eine unbefristete umzuwandeln, weil Sie definitiv die Richtige dafür sind.
Jetzt aber, wo die Entscheidung gefallen ist, wollen wir Sie nicht ohne das Beste weiterlaufen lassen, was wir zu geben haben: Unser Gebet, unser Vertrauen und die Bitte um Gottes Segen für Sie, ihre Familie, Ihre Arbeit.
Als Vorstand des Kindertagesstättenverbandes wollen wir mit Ihnen und Ihrer Kollegin große Dinge bewegen, wollen, dass unsere Kindertagesstätten nie aufhören, sich weiterzuentwickeln zu einem Ort, an dem Kinder all das erfahren, was sie brauchen, um groß und stark zu werden und doch Kind Gottes zu bleiben ein Leben lang. Amen

Jahreslosung 2014

Ein Jahr voller Segen möge es sein!

Wer hält bei uns die Predigt?

In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers werden zum Predigtamt die Pastorinnen und Pastoren, aber auch begabte und ausgebildete Laien (die Lektor/innen und Prädikannt/innen) berufen. Auch Diakoninnen und Diakone halten Andachten und wirken in Gottesdiensten verkündigend mit.

Eine lebendige Gemeinschaft mit vielfältigen Begabungen und Kompetenzen stellt sich so in den "Dienst am Wort Gottes". Eine wunderbare Aufgabe!

Vielleicht etwas für Sie? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf:

Superintendent Burghard Klemenz oder als Beauftrragte für den ehrenamtlichen Predigtdienst:

Pastorin Reina van Dieken

Tel.: (0 49 1) 86-1305