Gottesdienst statt vor der Evenburg in der Friedenskirche

Evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte Gemeinden feierten an Christi Himmelfahrt gemeinsam in Loga

 

Statt unter freiem Himmel vor der Evenburg in Leer-Loga wurde wegen der schlechten Wetterprognosen der ökumenische Gottesdienst an Christi Himmelfahrt in der Friedenskirche Loga gefeiert. Die Entscheidung erwies sich als gut, denn es wurde am Vormittag draußen recht ungemütlich. Unter dem schützenden Dach im vollbesetzten Gotteshaus begrüßte Silvia Köhler, Pastorin der Christuskirche Leer, die Besucher im Namen der evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Gemeinden der Umgebung.

Die Predigt hielt Michael Weber, Pastor in den reformierten Gemeinden Oldersum, Rorichum, Gandersum und Tergast. Er sprach über einen biblischen Text aus der Offenbarung des Johannes. Darin wird Gott gerühmt – als Allmächtiger, oder in einer modernen Bibelfassung als Herrscher über das All. Der Pastor ging auf das Spannungsfeld zwischen dem Himmelreich und dieser Welt ein. Gott spanne den großen Bogen über alles. Statt zu klagen – auch innerhalb der Kirche – sollten Menschen auf die Königsherrschaft Jesu Christi vertrauen und entsprechend handeln, sagte Weber.

Mit einem Witz hatte der Pastor seine Predigt aufgelockert und zugleich auf die Verantwortung der Menschen für die Schöpfung hingewiesen: „Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: Siehst schlecht aus. Sagt der andere: Ja, ich habe Homo sapiens. Sagt der Erste: Hatte ich auch mal. Das geht vorbei.“

Zum musikalischen Rahmen des Gottesdienstes trugen ein gemeinsamer Posaunenchor unter der Leitung von Jürgen Dannen und ein gemeinsamer Kirchenchor unter der Leitung von Silke Greiber bei. Unter deren Leitung brachten die sangesfreudigen Besucher auch den Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ gelungen zum Klingen. Das Publikum dankte zum Schluss den Chören mit einem kräftigen Applaus.

Allen Mitwirkenden und an der Organisation Beteiligten sprach Pastorin Köhler herzlichen Dank aus. Die Kollekte des Gottesdienstes kommt jeweils zur Hälfte der Leeraner Tafel und einer christlichen Schule in Aleppo (Syrien) zugute.

Kinder können nur gemeinsam mit den Eltern therapiert werden

Statt Sekt gab es nach dem Vortrag für die Zuhörer von Dr. Ute Schulewski feine Pralinen. Foto: Dübbel

Diplom-Psychologe Karl Heinz Pleyer sprach auf Einladung der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen Leer

Viel Beifall und Worte der Anerkennung erhielt der Diplom-Psychologe Karl Heinz Pleyer aus Viersen für seinen Vortrag zum Thema „Co-traumatische Prozesse zwischen Eltern und Kindern“. Er sprach auf Einladung der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen Leer, die ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Deren Leiterin Dr. Ute Schulewski begrüßte im Maritimen Kompetenzzentrum (Mariko) in Leer als Zuhörer rund 60 Fachkräfte aus dem psychosozialen, medizinischen und pädagogischen Bereich.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projektes „Prävention von Traumafolgestörungen mit Familien in der Erziehungs- und Familienberatung“ statt, das von der „Gesundheitsregion Niedersachsen“ in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Leer und dem Land Niedersachsen gefördert wird. Traumatherapeutin Christina Nölling-Moeck, die in der Beratungsstelle das auf drei Jahre angelegte Projekt betreut, berichtete über das erste Jahr. 25 Familien seien begleitet worden.

„Ich bin Praktiker, kein Wissenschaftler“, stellte sich Karl Heinz Pleyer vor. Er ist neben vielen anderen Tätigkeiten seit 1981 Ausbilder an der Rheinischen Gesellschaft für Systemische Therapie und gehört zu deren Gründern. „Wenn die Trauma-Bewältigung des Einen zum Trauma für den Anderen wird“, lautete der Untertitel seines Vortrages. Darin räumte er mit einer überkommenen Sicht auf, die bei Verhaltensauffälligkeiten von Kindern diese in den Fokus der Therapie stellten. „Eine Therapie ohne Einbeziehen der Eltern bringt keinen dauerhaften Erfolg“, sagte der Psychologe.

Bei klinischen Recherchen habe er herausgefunden, dass in allen Familien, in denen Kinder Auffälligkeiten zeigten, mehrere gravierende Stressfaktoren zusammenwirkten. Eltern seien mit deren Bewältigung phasenweise überfordert gewesen. Gezeigt habe sich unter anderem, dass sich mindestens ein Elternteil an der psychischen oder physischen Belastungsgrenze befunden habe. Viele Mütter und Väter hätten sich als chronisch belastet gezeigt, etwa, weil sie ein Heimkind gewesen seien. „Der Leidensdruck war bei den Eltern in der Regel höher als bei den Kindern“, sagte Pleyer.

Eltern als „Verursacher“ der kindlichen Störung zu identifizieren, sei aber eine unzulässig verkürzte Sichtweise, betonte der Psychologe. Eine Haltung, die zu einseitigen Schuldzuschreibungen führe, sei therapeutisch hinderlich. „Kinder werden nicht vorgestellt, weil sie verhaltensauffällig sind, sondern wenn Eltern hilflos geworden sind“, erklärte er. Deshalb gelte es, Selbstachtung und Würde der Eltern zu achten. Symptome der Kinder seien als Überlebensstrategien und Heilungsversuche zu respektieren: Sie schnell zu beseitigen, zum Beispiel medikamentös, sei oft kontraproduktiv.

Ute Schulewski dankte dem Redner, der mit seinem Vortrag unterstrichen habe, wie wichtig ein Projekt wie das ihrer Beratungsstelle sei. „Informativ und bewegend“ fand ein Zuhörer die Ausführungen Karl Heinz Pleyers.

Zum Geburtstag reichlich Dank und Anerkennung

Beratungsstelle und Diakonieverband feierten das 40-jährige Bestehen / Festgottesdienst / Vortrag / Empfang

Ihr 40-jähriges Bestehen feierten jetzt die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen Leer und deren Träger, der Evangelische Diakonieverband in Ostfriesland. Im Rahmen einer Festveranstaltung mit Gottesdienst, Vortrag und Empfang drückten am Donnerstagabend viele Gratulanten ihre Wertschätzung aus. Sie waren in der reformierten Großen Kirche in Leer von Präses Hilke Klüver begrüßt worden. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses des Diakonieverbandes.

Die Lebensberatungsstelle sei vor 40 Jahren aus der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises Leer hervorgegangen, erläuterte Klüver. Als Träger sei der Kreisverband des Diakonischen Werkes für den Landkreis Leer – ein Vorläufer des jetzigen Verbandes – gegründet worden. Ihm gehören lutherische und reformierte Gemeinden sowie der reformierte Synodalverband Südliches Ostfriesland und die lutherischen Kirchenkreise Emden-Leer und Rhauderfehn an.

In Trägerschaft des Diakonieverbandes befinden sich auch die Fachstellen für Sucht und Suchtprävention in Leer und Emden, die Jugendhilfe-Einrichtung „Die Eule“ und die Leeraner Tafel. Eindrücke aus der diakonischen Praxis erhielten die Gäste im Festgottesdienst durch Fallbeispiele. Diese wurden von den Leitungen der Einrichtungen vorgetragen: Ulrike Nowack („Die Eule“), Harald Spreda (Fachstelle Sucht) und Dr. Ute Schulewski (Lebensberatung).

Die Predigt hielt Arend des Vries, geistlicher Vizepräsident der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Er zog Parallelen zwischen dem Bibeltext (Markus 8,22-26) und der Beratungsarbeit. Die Begegnung des blinden Mannes mit Jesus entspreche dem Ausgangssetting einer Beratungssituation. Dem Helfen gehe ein Ruf des Zutrauens und Vertrauens voraus. „Dieses Vertrauen ist das Haupt-Kapital in Diakonie und Kirche“, betonte de Vries. Mit Dankbarkeit könne auf die Arbeit von Verband und Beratungsstellen geblickt und voller Vertrauen um Gottes Segen gebeten werden.

Dr. Ute Schulewski als Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen dankte allen Mitwirkenden des Gottesdienstes. Ein besonderes Dankeschön sprach sie Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke aus, der an der Truhenorgel von Jürgen Ahrend für einen festlichen musikalischen Rahmen gesorgt hatte.

Nach dem Gottesdienst hielt Sabine Hufendiek, Dozentin im Evangelischen Zentralinstitut Berlin (EZI), einen Vortrag zum Thema „Liebe – Krise – Partnerschaft“. Das Zusammenleben von Frauen und Männern habe sich in den vergangenen 100 Jahren verändert. Manche Menschen regten sich über arrangierte Ehen von türkischen Nachbarn auf. Aber auch Deutsche hätten nicht immer aus Liebe geheiratet: Die Vergrößerung eines Hofes oder die Weiterführung eines Geschäftes etwa seien Gründe für von den Familien organisierte Ehen gewesen.

In den heutigen Liebes-Heiraten müssten Paare den Sprung vom Verliebtsein zu einer stabilen Lebensgemeinschaft schaffen, erklärte Sabine Hufendiek. An einem Fallbeispiel zeigte sie die Probleme einer Beziehung auf. „Es ist segensreich, dass es Beratungsstellen wie die in Leer gibt“, betonte sie. Wer sich in einer Krise Hilfe hole, mache es sich und anderen leichter, den Alltag zu bestehen.

Dem Diakonieverband liege am Herzen, die Lebensbedingungen von Menschen durch Rat und Hilfe zu verbessern, sagte Hilke Klüver. „Dieses stille Wirken darf an einem Geburtstag schon einmal ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden“, erklärte sie. Einen besonderen Dank sprach sie dem Landkreis Leer aus, denn ohne dessen finanzielle Unterstützung wäre es nicht möglich, die drei Beratungsstellen zu unterhalten. Dank sprach sie allen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden aus. Dem schloss sich in seinem Grußwort Landrat Matthias Groote an. Er würdigte die gute Zusammenarbeit. Als ein Beispiel für gelungenes gemeinsames Engagement nannte er das Trauma-Projekt der Lebensberatungsstelle. Glückwünsche der Stadt Leer zum Jubiläum übermittelte der stellvertretende Bürgermeister Bruno Schachner.

Große Wertschätzung für die Arbeit von Dr. Ute Schulewski und ihrem Team klang auch aus den Grußworten von Henriette Biedowicz, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Evangelischen Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EKFuL) aus Berlin, und von Dr. Karin Jakubowski, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft für Lebensberatung innerhalb der hannoverschen Landeskirche aus Winsen.

Hilke Klüver freute sich, eine besondere Würdigung auszusprechen: Gisela Katritzke-Brückner ist 40 Jahre, also von Anfang an, Mitarbeiterin der Evangelischen Beratungsstelle. Als Zeichen des Dankes erhielt sie einen Blumenstrauß.

Die Geburtstagsfeier endete mit einem Beisammensein bei „Brot und Wein“, bei dem es natürlich auch Wasser gab. Mitarbeitende und Gäste nutzten intensiv die Möglichkeit zum Gespräch miteinander.